Herbstsession 2021: Empfehlungen an den Ständerat

1. September 2021

In der Herbst­session berät der Stände­rat verschiedene Geschäfte, die für das Thema «Bildung für nachhaltige Entwicklung» relevant sind. Die Bildungs­koalition NGO bezieht Stellung zu folgenden Geschäften und bittet die Stände­rätinnen und Ständeräte, ihren Positionen zu folgen:

Donnerstag, 23.09.2021

21.3964 Motion WBK-NR
Lücken in der Integrationsagenda füllen. Chancengerechtigkeit für alle Jugendlichen in der Schweiz

Empfehlung: Annahme

Inhalt der Vorlage
Die Motion verlangt eine Ausweitung der Integrationsagenda auf spät zugewanderte Jugendliche und junge Erwachsene aus EU-/EFTA- und Drittstaaten ausserhalb des Asylbereichs. Der Bund soll die Kantone bei der Umsetzung und Finanzierung von Massnahmen zur Förderung der Berufsbildungsfähigkeit dieser jungen Menschen unterstützen. Dafür sollen insbesondere das Instrument der «Integrationsvorlehre» evaluiert, angepasst und langfristig finanziell unterstützt sowie die Erstinformation und die Analysen des Potenzials dieser Zielgruppe gestärkt werden.

Position der Bildungskoalition NGO
Die Bildungskoalition NGO unterstützt diese Motion. Auch Jugendliche und junge Erwachsene die nicht in der Schweiz aufgewachsen sind, haben ein Recht auf gleichberechtigten Zugang zu Bildung. Während für bleibeberechtigte Personen aus dem Asylbereich mit der Integrationsagenda bereits eine politische Lösung gefunden wurde, sind Personen, die aufgrund von ausländerrechtlichen Verfahren in die Schweiz kommen, explizit davon ausgenommen. Dabei handelt es sich zu einem grösseren Teil um junge Frauen, die im Familiennachzug in die Schweiz kommen. Diese rund 1‘500 Personen sind somit zweifach diskriminiert, Zugang zu Bildung zu erhalten. Um das Ziel der Chancengerechtigkeit für eine Bildung für nachhaltige Entwicklung zu erreichen, ist es deshalb umso wichtiger, die Mittel und Wege zur Verfügung zu stellen, dass die betroffenen Personen mindestens einen Abschluss auf Sekundarstufe II erreichen. Die vorliegende Motion ist ein Schritt Richtung nachhaltiger beruflicher und sozialer Integration.

Montag, 27.09.2021

20.3687 Motion Nationalrat (Feri Yvonne)
Social-Media-Kampagne gegen Mobbing und Cybermobbing bei Kindern und Jugendlichen

Empfehlung: Annahme

Inhalt der Vorlage
Die Motion verlangt eine nationale Kampagne, die Kinder und Jugendliche für die negativen Folgen von Mobbing und Cybermobbing sensibilisiert sowie auf mögliche strafrechtliche Folgen hinweist. Im Sinne einer Täterinnen- und Täterprävention soll dabei insbesondere auf die Täter:innen sowie die Zuschauenden fokussiert werden.

Position der Bildungskoalition NGO
Zu viele Kinder und Jugendliche leiden in der Schweiz unter einer schlechten psychischen Gesundheit – mitunter ausgelöst durch Mobbingerfahrungen. Die Bildungskoalition NGO setzt sich im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung für eine Stärkung der Mobbingprävention ein, für bessere Früherkennung und einen gezielten Ausbau von Beratungs- und Behandlungsangeboten für Betroffene und deren Angehörige.

Die Prävention von Cybermobbing steckt in der Schweiz noch in den Kinderschuhen. In keinem anderen europäischen Land leiden so viele Kinder unter Mobbing. Die Forschung zeigt, dass sich Mobbingerfahrungen im Kindsalter später auch auf die Suizidalität auswirken können. Prävention von Mobbing ist in diesem Sinne also auch Suizidprävention. Dazu gehört besonders auch Cybermobbing. Aktuelle Daten zeigen, dass rund ein Viertel aller Jugendlichen mindestens schon einmal Opfer von Cybermobbing war. Mobbing über digitale Medien hat eine besondere Dynamik, da sich Inhalte schnell verbreiten, einem grossen Publikum sichtbar werden und kaum mehr zu entfernen sind. Ohnmachtsgefühl und subjektives Leiden der Opfer sind bei Cybermobbing besonders gross. Es ist deshalb zentral, dass Kinder und Jugendliche früh für einen sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien sensibilisiert werden und diesen erlernen. Dabei muss eine Kampagne auch die Entstigmatisierung der Opfer zum Ziel haben. Aus fachlicher Sicht ist die Stärkung der Handlungskompetenz der Betroffenen ein zentrales Element und darf nicht vernachlässigt werden. Neben einer Kampagne braucht es Präventionsprogramme, insbesondere in den Schulen, welche bei Mobbing eine besondere Rolle spielen. Wirksame Mobbingprävention gelingt nur unter Einbezug des gesamten Schulkontexts und muss zum Ziel haben, das Schulklima nachhaltig zu verbessern, damit Mobbing gar nicht erst entstehen kann.

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