Sommersession 2021: Empfehlungen an den Ständerat

19. Mai 2021

In der Sommersession berät der Stände­rat verschiedene Geschäfte, die für das Thema «Bildung für nachhaltige Entwicklung» relevant sind. Die Bildungs­koalition NGO bezieht Stellung zu folgenden Geschäften und bittet die Ständerätinnen und Stände­räte, ihren Positionen zu folgen:

Mittwoch, 03. Juni 2021

21.3103 Postulat Jositsch
Mehr Fairness bei der Lehrstellenausschreibung und Lehrstellenvergabe

Empfehlung: Annahme

Inhalt der Vorlage
Der Bundesrat wird gemäss Artikel 123 ParIG beauftragt, zu prüfen und Bericht zu erstatten, welche Auswirkungen der Zeitpunkt der Ausschreibung und der Vergabe von Lehrstellen auf Jugendliche und ihre berufliche Zukunft hat. Dabei sollen auch nötige Massnahmen für die verschiedenen Akteure der Berufsbildung aufgezeigt werden.

Position der Bildungskoalition NGO
Der Zeitpunkt der Ausschreibung und Vergabe von Lehrstellen hat einen grossen Einfluss auf den Entscheidungsprozess der Jugendlichen für ihre berufliche Zukunft. Die Zeit der Berufswahl und des Übergangs ins Berufsleben ist eine Schlüsselphase für die Zukunft der Jugendlichen, daher sollte kein Druck entstehen, Lehrverträge schon lange vorher abzuschliessen. Dies verkürzt die Zeit, die für die Entscheidungsfindung des Berufswunsches zur Verfügung steht, erschwert die Vorbereitung auf die Berufswahl durch Schule und Eltern und lässt letztlich keine wohlüberlegte persönliche Entscheidung für den gewünschten Berufsweg zu. Prüfungen zu den Auswirkungen des Zeitpunkts der Lehrstellenausschreibung werden daher dazu beitragen, die Chancengleichheit der Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt zu gewährleisten.

Montag, 14. Juni 2021

20.3918 Motion WBK-NR
Förderung der Mobilität und der Sprachaufenthalte der Lernenden

Empfehlung: Annahme

Inhalt der Vorlage
Der Bundesrat wird beauftragt, die für landesweite Sprachaufenthalte im Rahmen der beruflichen Grundbildung vorgesehenen Mittel signifikant aufzustocken. Er wird beauftragt, in Zusammenarbeit mit den Kantonen und den Berufsverbänden die Mobilität der Lernenden zu fördern und dafür namentlich eine auf nationaler Ebene koordinierte digitale Plattform zu schaffen. Der Nationalrat hat als Erstrat die Motion angenommen.

Position der Bildungskoalition NGO
Die Bildungskoalition begrüsst, dass eine Motion zur Förderung der Mobilität und der Sprachaufenthalte der Lernenden eingereicht wurde. Sie schätzt besonders, dass Austauschmöglichkeiten für Lernende stärker gefördert werden. Mobilität und Sprachaufenthalte stärken die persönlichen und interkulturellen Kompetenzen, wie Toleranz, Aufgeschlossenheit, Neugier oder Anpassungsfähigkeit von Jugendlichen. Die Schaffung einer auf nationaler Ebene koordinierten digitalen Plattform wird den Zugang zur Mobilität für Personen in der Berufsbildung erleichtern.

Dienstag, 15. Juni 2021

19.463 Parlamentarische Initiative Nationalrat (Wehrli)
Für ein Programm zu Jugend und Ernährung

Empfehlung: Annahme

Inhalt der Vorlage
Nach dem Vorbild der Programme zu Jugend und Kultur (Art. 67a der Bundesverfassung) und zu Jugend und Sport (Art. 68 der Bundesverfassung) fordert die parlamentarische Initiative, dass ein Programm zu Jugend und Ernährung erstellt und umgesetzt werden soll.

Position der Bildungskoalition NGO
Bildung im Bereich Ernährung ist für die Erreichung der Agenda 2030 auf mehreren Ebenen zentral: Was Kinder und Jugendliche essen, hat Konsequenzen für ihr ganzes Leben. Neue Erkenntnisse zeigen, dass die Ernährung in den ersten Lebensjahren verantwortlich sein kann für ernährungsbedingte Erkrankungen im Erwachsenalter. Zudem sind Gesundheit und Wohlbefinden aktuell am stärksten durch Ernährungsfaktoren bedroht.

Nebst dem Gesundheitsfaktor, fördert das Programm langfristig die Nachhaltigkeit und den Erhalt unserer Lebensgrundlagen. In der Schweiz verursacht der Ernährungsbereich nämlich 28 Prozent der gesamten Umweltbelastungen. Es ist darum wichtig, dass Jugendliche die Kompetenzen erhalten, um die Umwelt nachhaltig zu schützen.

Im Bereich Jugend und gesunde Ernährung besteht bereits ein breites Angebot, jedoch kein Überblick. Die Wirksamkeit dieser Angebote ist nicht immer garantiert und sie erreichen oft nicht alle relevanten Zielgruppen. Damit die Bevölkerung langfristig die Kompetenzen erhält, sich gesund und nachhaltig zu ernähren, ist eine langfristige, übergeordnete Unterstützung für Kinder und Jugendliche erforderlich. Denn die Wahl von gesunden, regionalen Produkten aus einer nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion ist nur mit entsprechendem Hintergrundwissen möglich.

Der von der parlamentarischen Initiative vorgeschlagene Weg ist zielführend, wenn er vorschulische und ausserschulische Aktivitäten integriert und auch Kinder aus finanziell schwächeren Familien erreicht.

Wie das erfolgreiche Programm «Jugend und Sport» würde das Programm «Jugend und Ernährung» unter Beachtung der Schulhoheit der Kantone die bestehenden Angebote der obligatorischen Schulen und der Kantone ergänzen.

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