Wintersession 2021: Empfehlungen an den Ständerat

17. November 2021

In der Winter­­session berät der Ständerat verschiedene Geschäfte, die für das Thema «Bildung für nachhaltige Entwicklung» relevant sind. Die Bildungs­koalition NGO bezieht Stellung zu folgenden Geschäften und bittet die Ständerätinnen und Stände­räte, ihren Positionen zu folgen:

Donnerstag, 02.12.2021

21.4182 Motion Reichmuth
Einbezug der Wissenschaft in der Klimapolitik stärken

Empfehlung: Annahme

Inhalt der Vorlage
Der Bundesrat soll das OcCC (Organe consultatif sur les changements climatiques, Klimabeirat des UVEK) durch eine neue Expertenkommission ersetzen, die dem Anliegen der Sicherstellung institutioneller Beziehungen zwischen Politik und Wissenschaft auch im Bereich Klimaschutz gerecht wird. Die neue Expertenkommission soll den Gesamtbundesrat unterstützen, und nicht nur das UVEK.

Position der Bildungskoalition NGO
Die Erderhitzung bedroht Mensch, Natur und den ganzen Planeten in einem Masse, hinter dem jede andere Krise zurückfällt. Dies belegt die Wissenschaft seit Jahrzehnten. Zugleich hat die Politik bis heute keine angemessenen Schlussfolgerungen aus diesen breit abgestützten Erkenntnissen gezogen. Die Erkenntnisse der Wissenschaft – mit ihrem System-, Ziel- und Transformationswissen – müssen viel stärker als bislang in die Klimapolitik Eingang finden. Ein Gremium aus Expert:innen mit einer Vielfalt an für die Transformation erforderlichen Perspektiven (nicht allein aus Naturwissenschaften und Ökonomie, sondern bspw. auch aus Soziologie, Psychologie, Ethik, Kommunikations- und Bildungswissenschaften), das den Gesamtbundesrat institutionell berät, ist daher sehr zu begrüssen. Ob die Expert:innen dabei in Forschungsinstitutionen tätig sind oder nicht, soll unerheblich sein.

Montag, 06.12.2021

19.3614 Motion Nationalrat (Munz)
Freiwilliges Engagement fördern. Beitritt zum European Solidarity Corps

Empfehlung: Annahme

Inhalt der Vorlage
Auslanderfahrungen durch Freiwilligeneinsätze zwischen 6 und 12 Monaten konnten junge Erwachsene in der Schweiz und im Ausland bisher durch den Europäischen Freiwilligendienst (EVS) leisten. Dieses Programm ist 2017 ausgelaufen und wurde auf EU-Ebene durch das European Solidarity Corps ersetzt – die Schweiz ist bisher nicht Teil davon.

Position der Bildungskoalition NGO
Die gegenwärtige Schweizer Separatlösung präsentiert ein viel kleineres Programm und setzt Schweizer Jugendliche einer erheblichen Chancenungleichheit aus. Der Zugang zu Austauschplätzen ist für sie sehr limitiert, der organisatorische Aufwand für einzelne Austausche gross und damit teuer. Gleichzeitig nimmt die Nachfrage und Bedeutung von internationaler Freiwilligenarbeit erwiesenermassen zu. Mit den Ressourcen der aktuellen Separatlösung ist aber keine weitere Entwicklung möglich.

Demgegenüber bietet das European Solidarity Corps neben umfassender finanzieller Unterstützung auch Instrumente zur Ermöglichung eines Freiwilligenaustauschs, etwa den Zugang zur zentralen europäischen Datenbank, die interessierte Freiwillige und Einsatzorte miteinander in Verbindung bringt, oder das europaweit anerkannte Zertifikat «Youthpass», das die erworbenen Kompetenzen eines solchen Einsatzes ausweist.

Mittwoch, 08.12.2021

21.315 Standesinitiative Freiburg
Für eine klare Darstellung der Menge des schnellen Zuckers in Lebensmitteln

Empfehlung: Annahme

Inhalt der Vorlage
Mit der Standesinitiative fordert der Kanton Freiburg, dass die nötigen gesetzlichen Grundlagen für eine obligatorische Deklaration des Zuckergehaltes in Lebensmitteln geschaffen werden.

Position der Bildungskoalition NGO
Zu viel Zucker ist schädlich für unsere Gesundheit: Neben den bekannten und häufigsten Folgen wie Übergewicht/Adipositas, Fettleber, Insulinresistenz, Erhöhung des Cholesterinspiegels und Bluthochdruck führt ein permanenter überhöhter Zuckerkonsum zu einer vorzeitigen Gefässalterung.

In der Schweiz liegt der Pro-Kopf-Konsum von Zucker aktuell bei über 100 Gramm täglich. Die WHO empfiehlt maximal 50 Gramm Zucker pro Tag für einen erwachsenen Menschen. Es gibt somit dringenden Handlungsbedarf um den Zuckerkonsum in der Schweiz zu reduzieren, um die damit verbundenen Folgeerkrankungen zu verhindern.

Die Verbesserung der Konsumenteninformation ermöglicht es, sich in Kenntnis der Sachlage zu ernähren und die individuelle Gesundheitskompetenz zu steigern.

Donnerstag, 09.12.2021

21.3975 Motion Nationalrat (APK-NR)
Finanzierungsbotschaft für die Schweizer Teilnahme an Erasmus plus

Empfehlung: Annahme

Inhalt der Vorlage
Die Finanzierungsbotschaft für Erasmus+ führt endlich wieder zur Vollassoziierung der Schweiz an das Mobilitätsprogramm und ermöglicht eine erneute starke Einbindung der Schweiz in Europa. Die Integration der Schweiz in den europäischen Bildungsraum ist massgeblich für die Zukunft aller jungen Menschen in der Schweiz und dem Bildungs-, Forschungs- und Wirtschaftsstandort Schweiz.

Position der Bildungskoalition NGO
Europäische Mobilität ist für die Schweiz wichtig, die jetzige Schweizer Lösung ist jedoch nur ein ungenügender Ersatz für Erasmus+. Abgesehen davon, dass für Studierende, Auszubildende, Schüler:innen und Freiwillige nicht die gleiche Vielfalt an Beteiligungsmöglichkeiten besteht, ist es vor allem auch für Jugendverbände ein riesiger administrativer Mehraufwand. Da die administrativen Hürden häufig zu hoch sind, sind Schweizer Bildungsinstitutionen und Jugendorganisationen oft nicht Teil von Kooperationsprojekten zwischen europäischen Institutionen. Dieser Ausschluss der Schweiz ist von Nachteil für alle und kann mit der Vollassoziierung behoben werden.

Donnerstag, 09.12.2021

19.3612 Motion Nationalrat (Munz)
ETH zum weltweit führenden Nachhaltigkeitsnetzwerk mit Best-Practice-Anwendungen entwickeln

Empfehlung: Annahme

Inhalt der Vorlage
Ziel der Motion ist es, die Nachhaltigkeit weiter in die strategischen Ziele des ETH-Bereichs für die Periode 2021-2024 zu integrieren und die ETH zu ermutigen, die Nachhaltigkeit in der Lehre zu stärken.

Position der Bildungskoalition NGO
Die Ziele der Motion bilden eine Grundlage, um Bildung für nachhaltige Entwicklung an der ETH zu fördern und damit «best practices» bei der Umsetzung von nachhaltiger Entwicklung im Schweizer Bildungskontext zu schaffen.

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